Informationstheoretische Aspekte digitaler
Kommunikationssysteme
Digitale Kommunikationssysteme
Kommunikationssysteme ermöglichen die Übertragung
und den Austausch von Nachrichten
von Ort zu Ort
von Zeit zu Zeit |
:
: |
Telekommunikation
Informationsspeicherung |
Digitale Kommunikationssysteme
sind dadurch gekennzeichnet, dass die Nachricht sendeseitig als Folge digitaler
Symbole, als sog. Datensignal, dargestellt
wird und somit ein digitales
Übertragungssystem anwendbar ist. Analoge Nachrichten sind
hierfür zu digitalisieren, vgl. Digitalisierung
analoger Nachrichtensignale.
Datensignal
Ein Datensignal ist eine Folge von Symbolen aus einem
zwischen einer Informationsquelle und einer Informationssenke
(= Informationsempfänger oder -verbraucher) vereinbartem (Symbol-)
Alphabet mit begrenztem Umfang.
| Beispiele für Datensignale:
|
Text
Folge von Zahlen
Folge von zweiwertigen Symbolen oder Binärsymbolen,
z.B. 0 und 1, sog. "Bits" |
Ohne Beschränkung der Allgemeinheit und ohne Nachteile
kann jedes Datensignal in eine Folge von Binärsymbolen umgewandelt
werden. Ein Datensignal ist somit gekennzeichnet durch die mittlere Zahl
von Binärsymbolen, die je Zeiteinheit generiert werden und somit zu
übertragen sind, also durch den
Nachrichtenfluss
.
Tb bezeichnet dabei den mittleren (äquivalenten)
zeitlichen Abstand zweier Binärsymbole.
Anmerkung: Für den Nachrichtenfluss sind
auch die Bezeichnungen Datenrate und besonders im Umfeld der Informatik
Bandbreite üblich. Der Gebrauch des Begriffs Bandbreite ist in diesem
Zusammenhang jedoch leider sehr unglücklich und widersprüchlich.
Er sollte unbedingt vermieden werden, da eine ständige Verwechslung
mit der richtigen Bedeutung von Bandbreite unvermeidbar ist. Bandbreite
bezeichnet in der Elektro- und Informationstechnik seit deren Entstehung
eindeutig die (einseitige) Breite eines Intervalls auf der Frequenzachse,
innerhalb dessen das Fourierspektrum einer Zeitfunktion (z.B. eines Nachrichtensignals)
wesentlich von Null verschiedene Anteile besitzt. Die Bandbreite des Nachrichtensignals,
das einen vorgegebenen Nachrichtenfluss repräsentieren soll, ist im
Prinzip völlig frei wählbar. Sie beeinflusst jedoch die Resistenz
der digitalen Übertragung gegenüber Störung. In der Informationstheorie
wurden diese prinzipiellen Zusammenhänge zwischen Nachrichtenfluss,
(Signal-) Bandbreite und Störresistenz bereits 1948 von Claude
E. Shannon endgültig geklärt. (Wesentliche Zusammenhänge
zwischen Nachrichtenfluss und Bandbreite wurden bereits 1924 von Küpfmüller
und 1928 von Nyquist erkannt!) Shannon selbst verwendete den Begriff Bandbreite
sehr allgemein für die Zahl der Dimensionen eines Signalraums. Dafür
wurde später der Begriff Shannon-bandwidth geprägt.
Digitalisierung
analoger Nachrichtensignale
Beispiele für analoge Nachrichtensignale:
-
Audiosignal:
-
zeitlicher Verlauf des Schalldrucks bzw. der elektrischen
Ausgangsspannung eines Mikrofons
-
Videosignal:
-
elektrisches Ausgangssignal einer Videokamera
-
Prozesssignal:
-
zeitlicher Verlauf einer physikalischen Größe
in einem Prozess, z.B. in einem industriellen Produktionsprozess, bzw.
eines davon abgeleiteten Messsignals.
Bei der Digitalisierung
analoger Nachrichtensignale wird der zeit- und wertkontinuierliche
physikalische Vorgang mittels einer digitalen Symbolfolge repräsentiert,
übertragen (gespeichert) und gegebenenfalls bei möglichst geringen
Abweichungen wieder in die ursprüngliche Form zurückgewandelt.
Beispiel: Speicherung von Schallsignalen (Musik) auf der
Compact Disc (CD)
Zur Digitalisierung werden sendeseitig aus dem Nachrichtensignal
in hinreichend kurzen Zeitabständen Proben entnommen. Diese Proben
werden vermessen und die Messwerte als Zahlen mit begrenzter Genauigkeit
(z.B. 0 bis 255) dargestellt. Die Zahlenfolge ergibt ein Datensignal.
Empfangsseitig werden aus den Zahlen entsprechende Signalwerte
erzeugt, aus denen mittels Interpolation das analoge Nachrichtensignal
zurück gewonnen wird.
Durch eine Beschränkung der Genauigkeit bei der
numerischen Repräsentation der Messwerte entstehen kleine Fehler,
das sogenannte Quantisierungsgeräusch. Werden genügend Binärsymbole
zur Darstellung eines Messwertes verwendet, ist dieser Fehler jedoch nicht
mehr wahrnehmbar.
| Beispiel: Compact Disc: |
16 Binärsymbole je Messwert, d.h. Zahlen von 0 bis
65535 |
Das Prinzip der Digitalisierung analoger Nachrichtensignale
wurde 1937 von Reeves erfunden.
In der Informationstheorie
wird bewiesen, dass durch eine Digitalisierung analoger Nachrichtensignale
keinerlei Nachteile bezüglich der Informationsübertragung entstehen.
Im Gegenteil, durch die Digitalisierung wird die Anwendbarkeit digitaler
Übertragungssysteme erreicht, wodurch eine enorme Erhöhung
der Effizienz der Übertragung ermöglicht wird.
-
Beispiel: Hörrundfunkübertragung im UKW-Bereich
-
Bei gleicher Signalbandbreite, gleicher Distanz des Empfängers
vom Sender und gleichen Störungen genügt bei einer digitalen
Hörrundfunkübertragung ca. der 1/5000 Teil der Sendeleistung,
um die gleiche Qualität wie beim üblichen analogen Rundfunk mittels
Frequenzmodulation zu erreichen. Bei Anwendung moderner Verfahren zur Quellen-
und Kanalcodierung ist eine weitere drastische Reduktion der Sendeleistung
möglich.
Die Informationstheorie
liefert in der Rate-Distortion-Theory
prinzipielle Aussagen zu Möglichkeiten und Grenzen bei der Digitalisierung
analoger Nachrichtensignale.
Digitales Übertragungssystem
Ein digitales Übertragungssystem dient der Übertragung
(Speicherung) von Datensignalen. Dabei wird
eine möglichst hohe Zuverlässigkeit angestrebt; d.h. die Wahrscheinlichkeit
einer Verfälschung eines Datensymbols in ein anderes soll möglichst
gering sein. Treten dennoch Symbolfehler auf, so sollte dies empfangsseitig
zumindest erkennbar sein (Fehlererkennung).
Folgende Szenarien sind zu unterscheiden:
A) Punkt-zu-Punkt-Übertragung
Das einfachste Übertragungssystem ist die Punkt-zu-Punkt-Übertragung
mit je einem Sender und einem Empfänger gemäß folgendem
Blockschaltbild:
Im Sender wird der Folge von digitalen Symbolen,
dem Datensignal mit dem Nachrichtenfluss
,
ein wert- und zeitkontinuierlicher physikalischer Prozess als Sendesignal,
das Nachrichtensignal, zugeordnet.
Das Sendesignal kann beispielsweise ein Spannungs- oder Stromverlauf, ein
moduliertes elektromagnetisches Feld (Funkübertragung, optische Übertragung),
eine Magnetisierung oder eine mechanische Veränderung eines Substrats
sein.
Beispiele für Signalzuordnungen zu binären
Quellensymbolsequenzen
A. Binärsignal
B. Quaternärsignal
Das Beispiel B zeigt deutlich, dass Nachrichtensignale
zur Repräsentation von Daten keineswegs zeit- und/oder wertdiskret
zu sein brauchen. Vielmehr ist ein geglätteter Verlauf für eine
hinreichende Bandbreiteneffizienz unerlässlich. Die Zuordnung des
Nachrichtensignals zum Datensignal wird im allgemeinen dahingehend optimiert,
-
dass ein Sendesignal möglichst geringer Leistung hinreichend
ist, um trotz Signaldämpfung und -verzerrung, sowie der Überlagerung
von Störungen bei Übertragung eine ausreichende Zuverlässigkeit
erreicht wird.
-
dass das Sendesignal auf die zur Verfügung stehende
Signalbandbreite B begrenzt ist.
-
dass Sender und Empfänger bei tolerierbarer Komplexität
echtzeitfähig implementierbar sind.
-
dass Unbefugte weder die Nachricht belauschen noch unter
falschem Namen Nachrichten unterschreiben können, bzw. dass der Aufwand
hierfür unangemessen hoch wäre.
Die Informationstheorie
liefert allgemein gültige Aussagen bezüglich der Möglichkeiten
und Grenzen, diese Optimierungsziele gemeinsam zu erreichen.
Die Zuordnung des Sendesignals wird konzeptionell unterteilt
in Codierung und Modulation. In einer allgemeinen Sichtweise
können alle dispersiven Vorgänge der Codierung zugerechnet
werden, also das Zusammenwirken vieler Quellensymbole bei der Bestimmung
des Sendesignals für einen Modulationsschritt:
Quellencodierung:
Die Quellencodierung dient der Reduktion des zu übertragenden
Nachrichtenflusses durch Vermeidung von Redundanz und Irrelevanz.
Redundanzreduktion entspricht einer verlustlosen
Quellencodierung, d.h. das originale Nachrichtensignal ist trotz einer
Komprimierung des Datenstroms wieder unverfälscht herstellbar.
Irrelevanzreduktion stellt eine verlustbehaftete
Quellencodierung dar, wobei jedoch die Senke (der Nachrichtenverbraucher)
nicht im Stande ist, die Veränderung des Nachrichtensignals wahrzunehmen.
Durch eine Datenreduktion der Quellencodierung werden
sowohl Bandbreiteneffizienz als auch Leistungseffizienz gesteigert, da
bei gleicher Sendeleistung die mittlere (äquivalente) Energie je noch
zu übertragendem Binärsymbol ansteigt.
Verschlüsselung
(Kryptologische Codierung):
Mit Hilfe eines kryptologischen Verfahrens (Verschlüsselung)
wird einerseits vemieden, dass Unbefugte die Nachrichtenübertragung
belauschen können, und andererseits kann der Absender sicher authentisiert
werden, es können also dem Empfänger keine irreführenden
Nachrichten sich falsch ausweisender Absender untergeschoben werden. In
der Informationstheorie werden sehr
allgemein Bedingungen für die Sicherheit einer Nachrichtenübertragung
gegen unfreundliche Attacken angegeben.
Kanalcodierung:
Die Kanalcodierung dient der Sicherung der Nachricht
gegen Verfälschung durch Störungen mittels Einfügung von
Redundanz, z.B. in Form von Prüfsymbolen in das Datensignal. Die Kanalcodierung
ermöglicht somit vorrangig eine Erhöhung der Leistungseffizienz,
wobei es gemäß den Theoremen der Informationstheorie
unumgänglich ist, für eine sehr hohe Leistungseffizienz Verluste
in der Bandbreiteneffizienz hinzunehmen.
Modulation:
Der Begriff Modulation umfasst sowohl den Vorgang
der Repräsentation der vom Coder abgegebenen Codesymbole durch einen
physikalischen Prozess (= Nachrichtensignal),
als auch dessen Aufbereitung und Anpassung an das Übertragungsmedium
(z.B. Frequenzumsetzung, Verstärkung usw.).
Im Empfänger werden diese Schritte invers durchlaufen,
wobei Informationsverluste hinsichtlich der Schätzbarkeit der Quellensymbolfolge
aus dem gestörten Empfangssignal zu vermeiden sind.
B) Punkt-zu-Mehrpunkt-Übertragung
(Broadcast-System)
Bei Nachrichtenverteilsystemen (z.B. Rundfunk (Broadcast-System))
liegt eine Punkt zu Mehrpunkt Übertragung vor, wobei für die
verschiedenen Empfänger unterschiedliche Übertragungs- und Störverhältnisse
für das gleiche Sendesignal auftreten. Die Empfänger können
damit aus dem Signal unterschiedliche Informationsmengen entnehmen. Die
Informationstheorie gibt eindeutige
Regeln zur optimalen Gestaltung von Broadcast-Systemen an, so dass im Mittel
die Empfänger die größtmögliche Informationsmenge
erhalten.
C) Mehrpunkt-zu-Mehrpunkt-Übertragung
Viele Sende- und Empfangseinrichtungen greifen auf die gleichen
Übertragungsmedien zu (Beispiel: Funkverkehr innerhalb eines Mobilfunknetzes).
Dabei können die Signale anderer Sender auf den Empfang eines gewünschten
Signals störend wirken. Die Informationstheorie
liefert Hinweise zum optimalen Entwurf solcher Multi-User-Übertragungssysteme.
Informationstheorie
Die statistische Informationstheorie wurde nach längeren
Vorarbeiten von Claude
E. Shannon mit der Veröffentlichung der grundlegenden Arbeit
| A Mathematical Theory of Communications |
| Bell Systems Technical Journal 1948, pp.379-423 and 623-656 |
im Jahre 1948 begründet. Sie stellt die Basiswissenschaft
für Informationsverarbeitung, Informationsübertragung und -speicherung
dar. Die Informationstheorie zeigt prinzipielle Möglichkeiten und
Grenzen der Informationsrepräsentation und Übertragung in sehr
grundsätzlicher Weise auf. Sie umfasst Existenzbeweise und Nichtexistenzbeweise
für technische Verfahren der Informationsverarbeitung und -übertragung.
Etwa zur gleichen Zeit wurde eine sehr ähnliche Theorie durch Kotel'nikow
in Russland erarbeitet.
Die Informationstheorie hat sich in nun mehr als 50 Jahren
zu einer vielfältigen und vertieften Basiswissenschaft entwickelt,
die zwischen Mathematik und (elektrischer) Informationstechnik angesiedelt
ist. Auf Grund ihrer fundamentalen Bedeutung auf die Technik in der 2.
Hälfte des 20. Jahrhunderts kann man die obengenannte erste Publikation
zur Informationstheorie von C.
E. Shannon als den Beginn des sogenannten Informationszeitalters bezeichnen.
Mehr zur Informationstheorie
In der Informationstheorie wird ein objektives, mathematisches
Maß für Information eingeführt. Hierzu wird als abstraktes
Modell einer Informationsquelle das Zufallsexperiment der mathematischen
Statistik verwendet und definiert:
| Information ist die Verringerung der Unsicherheit |
| über das Ergebnis eines Zufallsexperiments |
Die Unsicherheit I(A) bezüglich des Eintretens
eines Zufallsereignisses A wird dabei als negativer Logarithmus
der Wahrscheinlichkeit Pr(A) quantitativ erfasst:
(1)
Üblicherweise wird der Logarithmus zur Basis 2 verwendet.
und dann die (Pseudo-)Einheit der Information bit
(=binary digit) verwendet.
-
Interpretation:
Die Wahrscheinlichkeit des Ereignisses A wird
mit der Wahrscheinlichkeit für I(A) zweiwertige, gleichwahrscheinliche
Zufallsereignisse verglichen.Ein Münzwurf mit den beiden gleichwahrscheinlichen
Ergebnissen Zahl oder Wappen stellt beispielsweise ein solches zweiwertiges
(=binäres) Zufallsexperiment dar. Ein Zufallsereignis A
zu erraten, dessen Zurkenntnisnahme einen Informationsgewinn von I(A)
bit bedeutet, ist damit gleichbedeutend wie I(A) aufeinanderfolgende
Münzwürfe richtig vorherzusagen.
-
Beispiel:
Die Wahrscheinlichkeit 6 richtige Zahlen aus 49 Zahlen
fehlerfrei zu erraten (= 6 Richtige beim Lotto 6 aus 49) beträgt ca.
Pr (6 Richtige aus 49) = 1/13.980.000 = 0,000000072
Der Informationsgewinn, über dieses freudige Ereignis
in Kenntnis gesetzt zu werden, beträgt damit
I (6 Richtige aus 49) = 23,74 bit
Dieses Beispiel verdeutlicht auch, dass in diesem Informationsmaß
die Wirkung einer Information auf deren Konsumenten nicht erfasst wird.
Die Hinweiseinheit bit für das informationstheoretische
Informationsmaß ist strikt zu unterscheiden vom umgangssprachlichen
Bit als Kürzel für binäres ( = zweiwertiges)
Symbol (z.B. 0 oder 1, A oder B, Wappen oder oder Zahl, usw.).
Das informationstheoretische Informationsmaß erscheint
zunächst als willkürlich, wird aber durch die Codierungstheoreme
der Informationstheorie als fundamental und praxisrelevant bestätigt.
Nachrichtenübertragung
bei Störungen
Kann das Ergebnis eines Zufallsexperiments nicht direkt,
sonder nur indirekt, z.B. am Ausgang eines mehr oder weniger unzuverlässigen
Nachrichtenübertragungssystems beobachtet werden, so verbleibt beim
Beobachter auch nach der Durchführung des Zufallsexperiments eine
Restunsicherheit über dessen Ergebnis.
Trotz der Unzuverlässigkeit des Übertragungssystems
kann durch Beobachtung der Variablen Y die Unsicherheit bezüglich
des Ergebnisses des Zufallsexperiments, also bzgl. der Variablen X, verringert
werden.
Informationsgewinn:
(2)
Wichtiger Satz:
Im statistischen Mittel, also im Mittel über viele
Nachrichtenübertragungen, kann der mittlere Informationsgewinn durch
Nutzung eines Nachrichtenübertragungssystems nicht negativ sein. Die
im Mittel übertragene Information ist auch nur dann Null, wenn die
Ausgangsvariable Y völlig unabhängig von der Eingangsvariablen
X ist.
-
Anwendungsbeispiel:
Das unzuverlässige Nachrichtenübertragungssystem
sei das Propagandaministerium einer totalitären Regierung, das versucht,
tatsächliche Ereignisse X nur verfälscht als Y an die Bürger
weiterzugeben. Langfristig kann es gemäß dem obigen Satz dem
Propagandaministerium nicht gelingen, dem Bürger falsche Tatsachen
vorzuspiegeln, allenfalls kann Information unterdrückt werden. Auch
dies gelingt nur dann, wenn völlig willkürlich und unabhängig
von den Tatsachen Nachrichten erfunden werden. Umgekehrt, je mehr das Propagandaministerium
versucht, gezielt Information zu verfälschen, umso besser wird die
Nachricht für die Bürger korrekt interpretierbar, umso mehr (echte)
Information erreicht sie. Mittels der Informationstheorie gelingt also
gleichsam ein "mathematischer Beweis" des Sprichworts
Lügen haben kurze Beine
Codierungstheoreme
der Informationstheorie
Das Informationsmaß der Informationstheorie erfährt
seine Verifikation und zentrale Bedeutung für die Praxis der Informationsübertragung
und -verarbeitung durch die Codierungstheoreme. Codierungstheoreme
und ihre Umkehrungen wurden für viele unterschiedliche Szenarien der
Informationsverarbeitung und Übertragung bewiesen. Einige elementare
und wichtige Beispiele:
-
A.) Quellencodierungstheorem zur verlustfreier Informationsrepräsentation.
-
Es existiert eine Codierung zur eindeutigen Repräsentation
der von einer diskreten Informationsquelle abgegebenen Symbolfolge x[k],
bei der im Mittel nicht mehr als H(X) Binärsymbole je Quellensymbol
erforderlich sind. Dabei bezeichnet H(X) den mittleren Informationsgehalt
je Quellensymbol:
Umgekehrt wird auch bewiesen, dass keine umkehrbar eindeutige
Codierung mit im Mittel weniger als H(X) Binärsymbolen je Quellensymbol
existiert.
Codierverfahren zur verlustlosen kompakten Informationsrepräsentation
können anhand der theoretischen Schranke H(X) objektiv beurteilt
werden. Heute existieren Quellencodierverfahren, die auch für Informationsquellen,
für die eine genügend genaue statistische Beschreibung kaum möglich
ist, diese Grenze durch fortwährende Adaption des Algorithmus erstaunlich
nahe erreichen (Beispiel: Komprimierung von Texten auf ca. 1,5 Bit/Buchstabe).
In der Datenübertragung und -verarbeitung erlangt diese sog. "Datenkomprimierung"
zunehmende Bedeutung.
-
B.) Quellencodierungstheorem für die verlustbehaftete
Informationsrepräsentation,
-
Rate-Distortion-Theory.
-
Ein allgemeines, zeitdiskretes Nachrichtensignal x[k] (wertdiskret
oder wertkontinuierlich) werde durch eine Folge digitaler Symbole repräsentiert.
Bei der Rekonstruktion des Signals aus der Symbolfolge wird ein gewisser
Fehler toleriert, der als Verzerrung (Distortion) D bezeichnet wird.
Als Verzerrungsmaße können z.B. der Betrag der Differenz zwischen
Original und Rekonstruktion aber auch die mittlere quadratische Abweichung
u.v.a.m. verwendet werden.
Es existiert eine Codierung zur Repräsentation des
Nachrichtensignals, bei der im Mittel nur R(D) Binärsymbole je Wert
x[k] erforderlich sind, um eine mittlere Verzerrung kleiner oder höchstens
gleich D zu erreichen. Dabei bezeichnet R(D) die Rate-Distortion-Funktion
der Signalquelle. Es exisitiert jedoch keine Codierung mit im Mittel weniger
als R(D) Binärsymbole je Wert x[k], bei der die mittlere Verzerrung
D nicht übersteigt.
Die Rate-Distortion-Funktion und das zugehörige Quellencodierungstheorem
für die verlustbehaftete Informationsrepräsentation bilden die
allgemein gültige Vergleichsgrundlage bei der Digitalisierung
analoger Nachrichtensignale.
-
C.) Kanalcodierungstheorem
-
Das Kanalcodierungstheorem besagt, dass auch bei Störungen
und (massiven) Signalverfälschungen eine Informationsübertragung
mit beliebig hoher Zuverlässigkeit möglich ist, wenn eine
redundante Kanalcodierung eingesetzt
wird. Dabei darf der mittlere Informationsgehalt R je Codesymbol eine Schranke
C nicht überschreiten und die Codewörter sind hinreichend lang
zu wählen.
Die Schranke C ist der Mittelwert des Informationsgewinns
I
bezüglich des Quellensymbols durch Beobachtung der gestörten
Kanalausgangsvariable nach Gl. (2) (siehe Nachrichtenübertragung
bei Störungen), wobei alle einstellbaren Einflussgrößen
so gewählt werden, dass dieser Mittelwert möglichst groß
wird:
Der größtmögliche Wert für den mittleren
Informationsgewinn bei der Übertragung eines Symbols wird als die
Kapazität des Übertragungskanals,
kurz: Kanalkapazität
bezeichnet.
Genauer formuliert besagt das Kanalcodierungstheorem:
Es existiert ein Code mit dem mittleren Informationsgehalt
R je Codesymbol, mit dem eine beliebig niedrige Wahrscheinlichkeit für
Codewortfehler erreicht werden kann, wenn die Codewortlänge hinreichend
groß gewählt wird und gilt R<=C. Für R > C gibt es dagegen
keine Möglichkeit, eine absolut zuverlässige Informationsübertragung
zu erreichen.
-
D.) Theoreme zur Sicherheit kryptologischer Verfahren
Kanalkapazität
Mittels redundanter Kanalcodierung ist es prinzipiell möglich,
auch über gestörte Übertragungswege zuverlässig Informationen
zu übertragen, so lange im Mittel der Informationsgehalt je Kanaleingangssymbol
(Codesymbol) nicht die Kanalkapazität C übersteigt. Somit ist
die Kanalkapazität ein entscheidendes Gütekriterium für
Informationsübertragungsmedien. Da über die physikalische Signalbandbreite
wiederum die Zahl der je Zeit übertragbaren Codesymbole begrenzt ist,
erhält man eine obere Schranke für die je Zeiteinheit zuverlässig
übertragbare Information, den maximalen Informationsfluss CT.
Wohl am berühmtesten ist Shannon's Formel für
die Kapazität CT des Kanals mit Störung durch weißes
Gauß'sches Rauschen und einer Begrenzung der Signalbandbreite auf
B:
B: (einseitige) Signalbandrate
S: Leistung des Empfangsnutzsignals
N: Leistung der additiven weißen Gauß'schen
Störung
Eb: äquivalente Energie je bit übertragener
Information
N0: (einseitige) Rauschleistungsdichte
CT/B: spektrale Effizienz der Informationsübertragung
Diese Gleichung stellt eine Beziehung zwischen Information
und Energie her: Sie gibt die minimale Energie Eb an, die zur
physikalischen Repräsentation von 1 bit Information erforderlich ist.
Die Informationstheorie ist damit in der Lage, die Dualität von Energie
und Materie zu einem Beziehungsdreieck
zu erweitern.
Redundante Kanalcodierung
In der Kanalcodierung werden neben informationstragenden
Symbolen noch Prüfsymbole, die aus den Informationssymbolen eindeutig
berechnet werden, über einen unzuverlässigen Informationsübertragungsweg
übertragen.
Da die Prüfsymbole somit selbst nicht unmittelbar
informationstragend sind, infolge der Codegesetze die Information der k
Informationssymbole jedoch gleichmäßig über das ganze Codewort
verteilt wird, fällt der mittlere Informationsgehalt R je Codesymbol
bei steigender Zahl von Prüfsymbolen. Bei gleichwahrscheinlichen Codesymbolen
aus einem Mc -wertigen Symbolvorrat gilt für diese Coderate
-
Empfangsseitig kann anhand der Codegesetze
-
- eine Fehlererkennung erfolgen
-
- eine Fehlerkorrektur (forward error correction
FEC) vorgenommen werden
-
- anhand der analogen Empfangsignale direkt das mit größter
Wahrscheinlichkeit gesendete Codewort ermittelt werden. Die Kanalcodierung
dient in diesem Fall der Verbesserung der Unterscheidbarkeit der unterschiedlichen
Signale und somit der Vermeidung von Fehlern.
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